Restaurant "Alte Schule"
 

Service: Historisches

Die alte Schule in Brück

Im Zentrum von Brück, im Unterdorf, auf der rechten Seite der Olpenerstraße, stadtauswärts, liegt eins der ältesten Gebäude dieses Stadtteils, eines, zu dem alle Brücker eine Beziehung haben, die Schule.

Das alte Fachwerkhaus drohte zu verfallen, weil die Stadt Köln kein Geld zur Verfügung stellte, es zu restaurieren. Erst durch den Verkauf an Privatleute, Gudrun und Peter Halm, und deren Bereitschaft, das Gebäude in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen, konnte das Schulhaus vor dem drohenden Einsturz gerettet werden.

Bei der Renovierung entdeckte man unter der nördlichen Hälfte des Schulgebäudes- an die Olpener Straße grenzend- ein aus Naturstein gemauertes Gewölbe. Die Bauart und die Anlage des Kellergewölbes lassen darauf schließen, dass es weit älter sein muss als das 1821 darüber errichtete Schulhaus.

Auch die zur Olpener Straße parallele Lage des Gewölbes spricht dafür, dass der Keller ursprünglich zu einem traufständig zu Olpener Straße stehenden Gebäude gehört hat. Das bedeutet, dass der Dachfirst parallel zu Straße stand. Der Kellereingang lag demnach ursprünglich außerhalb des Hauses nicht einsehbar von der Straße auf der Rückseite des Hauses.

Die Geschichte des Gebäudes reicht also viel weiter in die Vergangenheit, als bisher vermutet wurde. Könnte es nicht sein, dass das Gewölbe schon dem ersten Brücker Zöllner im 15. Jahrhundert als Lager- bzw. Weinkeller gedient hat ! Dann würde sich der Kreis zur heutigen Weinstube schließen.

Unwahrscheinlich ist dies nicht. Denn Brück war schon im Mittelalter ein reiches Dorf. Dies belegen viele Quellen. Die bevorzugten Baugrundstücke befanden sich damals an der Olpener Straße zwischen dem Flehbach und dem Anstieg zu Rheinischen Mittelterrasse oberhalb des Mauspfads. Hier wurden größere Gebäude gebaut, die oft unterkellert waren.Die Keller dienten als Kühlräume, gesicherte Lagerräume oder zu Schutz.

Die Häuser waren bis in die Neuzeit zumeist Fachwerkhäuser aus Holz, Lehm und Stroh und somit leicht brennbar. und Brück ist im Lauf seiner Geschichte oft abgebrannt worden. Auch wenn die Häuser zerstört wurden, blieben die Kellergewölbe meistens wegen der massiven Bauweise und des Schutzes im Erdreich erhalten. Sie wurden bei Neubauten wieder mit einbezogen. Nur manchmal gerieten sie auch in Vergessenheit. Auch das Gewölbe unter der alten Schule kann im Laufe der wechselhaften Geschichte des Dorfes verschiedenen Häusern gedient haben.

Als 1821 das neue Schulgebäude erstellt wurde, baute man es über den Keller hinaus. Ein Teil des Schulhauses war nur unterkellert, der andere, südliche, nicht. Die Kellertreppe lag nun zentral im Hausflur. Mit Sicherheit wurde der Keller auch von der Schule genutzt.

Diese neue Schule war damals ein Schmuckstück. Die Symmetrie des Holzständerwerks ist von allen Seiten eingehalten worden. Auch alle Fensterachsen waren ursprünglich symmetrisch angeordnet. Im Vergleich zu anderen Fachwerkhäusern wurden besonders große Fenster verwendet. Es sollte viel Licht in die Klassenzimmer gelangen.

Für die damalige Zeit war die Schule sehr modern. Eine Toilette wurde unmittelbar neben der Schule an der Westseite des Gebäudes gebaut. Dies ergab später ein Problem, so daß der Keller nicht mehr benutzt werden konnte. Im Jahre 1821 wurde also ein Schulhaus gebaut, das Fachwerkhaus. Es enthält einen Klassenraum und die Wohnung des Lehrers.

Ein Jahr später werden in der Bürgermeisterei Merheim 621 Kinder von vier Lehrern unterrichtet. In Brück/Rath unterrichtet ein Lehrer 267 Kinder. Dieses Zahlenverhältnis würde heutzutage jedem Lehrer den Angstschweiß auf die Stirn treiben und ihm den Schlaf rauben. Einige Jahre hört man nichts mehr von der Schule.

Aber der Zahn der Zeit hat wohl doch an ihr genagt, denn am 31.5.1862 steht sie wieder auf der Tagesordnung des Gemeinderates : „Reparatur der Schule“ im Text „ ...beschließt die Reparatur mit der Ausnahme jedoch, dass statt der Bretter ein anderes billigeres Schutzmittel äußerlich und an der Stelle der Schwemmsteine , gewöhnliche Mauerziegel verwandt werden.“ Daraus lässt sich schließen, dass die Ausfachung des Fachwerks beim Bau 1821 durch Schwemmsteine geschehen ist, außerdem war das Gebäude außen mit Brettern verkleidet.

Die Verkleidung wurde später durch Mauerziegel ersetzt. Zwei Jahre später platzte die Schule offenbar schon wieder aus allen Nähten. Ein Erweiterungsbau ist im Gespräch. Am 2.5.1872 beschließt der Gemeinderat ...“ Neubau der Abtritte bei der Schule zu Brück“. Man beschließt , mit dem Neubau der Abtritte noch bis zum Erweiterungsbau zu warten.

Am 25.7.1872 macht der Gemeinderat Nägel mit Köpfen. Er beschließt, „nach dem Gutachten des Baumeisters ein neues Klassenhaus zu bauen und das bisherige Lokal als Lehrerwohnung einzurichten.“ Lehrer Schlinkhovens altes Wohnzimmer wird wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zurückgegeben.

Am 23.7.1873 beschließt der Gemeinderat den Neubau des Backsteinhauses, der 1874 als neue Schule erstellt wird. In den dreißiger Jahren sind in dem alten Fachwerkhaus ein Handarbeitssaal und Abstellräume untergebracht.Vor dem Krieg bis in den Krieg hinein befindet sich im Flur des Gebäudes eine Milch - und Kakaoausgabestelle. Die Getränke werden im Wasserbad erhitzt und von Frau Schultens, der Frau des Rektors ausgegeben. Frau Schultens erhält für diese Arbeit einen Pfennig für jede Flasche.

Ab Mitte des Krieges etwa wird der linke Raum als Bezirksstelle genutzt, in der die Brückerinnen und Brücker ihre Bezugsscheine bekommen. Lebensmittel, Kleidung, Reparaturen, nicht einmal Kinderwagen gibt es ohne diese Scheinen. Natürlich ist auch hier gleichzeitig die Meldestelle. Ab April 1945 übernehmen die Amerikaner diese Bezirksstelle. Die ersten Ausweise nach dem Krieg werden hier ausgegeben.

Bis zum Herbst 1945 dient ein Raum in dem alten Fachwerkgebäude zwei Italienern als Wohnung, die bei den Amerikanern arbeiten. Von 1945 bis 1950 beherbergt das alte Fachwerkhaus eine Zweigstelle der Volksbücherei Deutz. Im Jahre 1955 wird es renoviert und erhält einen Mehrzweckklassenraum, ein Lehrerzimmer und einen Kartenraum. Der Mehrzweckraum wird für den Kunstunterricht genutzt.
Nach dem Bau der neuen Schule - 1960 ist der erste Bauabschnitt, das Richtfest findet am 20.1.1961 statt - wird das Fachwerkhaus nicht mehr genutzt. Jahr für Jahr können die Brücker beobachten, wie es verfällt.

Erst am 29.10.1992 verkauft die Stadt Köln das Haus an die Eheleute Gudrun und Peter Halm, die durch eine sehr aufwendige und liebevolle Restaurierung den Erhalt des Gebäudes sichern, das nun nicht mehr der Kindererziehung, sondern gastronomischen Zwecken dienen soll. Am 3.10.1994 eröffnet hier das neugeschaffene „Weinhaus zur alten Schule „ seine Türen und verwöhnt nun fortan seine Besucher.

(Quelle : Brigitte Bilz, Werkstatt für Ortsgeschichte Köln-Brück e.V.)